Vor- und Familiennamen

Goethe contra Plautus oder „Name ist Schall und Rauch“ versus „Nomen est omen“.

In Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) Werk sagt Faust – in der Tragödie erster Teil in Marthens Garten – im Dialog zu Margarete:

„Nenn’ es dann, wie du willst,
Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott!
Ich haben keinen Namen
Dafür! Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut

Dagegen sagt der römische Komödiendichter Plautus (um 250-184 v.Z.) in seinem Stück Persa (der Perser): „nomen atque omen“, also „Name und zugleich auch Vorbedeutung“.

Wer hat Recht? Beide, denn oft es ist schwierig, einen lebensweltlichen Sachverhalt richtig zu bezeichnen, hier kann man zu Goethe neigen. Allerdings hat Plautus weitgehend Recht, denn gerade Vor- und Familiennamen haben in ihrer Entstehungsgeschichte meist einen Bedeutungshintergrund, wie es die nachstehende Beispiel zeigen, die laufend ergänzt werden.

Deutsche Namen und ihre Bedeutung

Fangen wir zunächst mit häufig vorkommenden Familiennamen an:

Meyer (oder auch Meier, Mayer, Maier) war im Mittelalter der „Oberbauer, der im Auftrag des Grundherrn die Aufsicht über die Bewirtschaftung der Güter führt, in dessen Namen die niedere Gerichtsbarkeit ausübt“ (Duden 2000: 456). Meyer kommt von lateinisch maior ’der Größere, Angesehenere, Höherstehende’. Das ist der Komparativ zu Lateinisch magnus ’groß’. Es ist der dritthäufigste Name in Deutschland.

Müller (oder Müllner, Möller, Miller) ist der häufigste Familienname in Deutschland. Diese große Verbreitung hängt damit zusammen, dass seit dem 12. Jahrhundert fast jeder Ort ein oder mehrere Wassermühlen hatte (vgl. Duden 2000: 466).

Schmidt mit seinen Varianten Schmid, Schmitt, Schmitz, Schmied und Schmidtke ist der zweithäufigste Familienname in Deutschland, denn im späten Mittelalter gab es auch in kleineren Orten das Metallhandwerk (vgl. Duden 2000: 586). Schmidt

Krause als Familienname bezeichnet einen Menschen mit lockigem, krausem Harr. (vgl. Duden 2000: 395)

Quelle:
Duden 2000: Familiennamen. Herkunft und Bedeutung. Mannheim Leipzig Wien Zürich

Aber auch die Vornamen liefern uns spannende Einsichten:

Johannes, Johann oder die Kurzform Hans gibt es als Vorname in vielen europäischen Sprachen: John (Englisch), Jean (Französisch), Juan (Spanisch), Iwan (Russisch), Jan (Polnisch), João (Portugiesisch), Giovanni (Italienisch), Jens (Dänisch) und noch viele andere Sprachen (vgl. Janowona 1991: 140f)
Johannes ist ein aus der Bibel kommender Vorname hebräischen Ursprungs „Gott ist gnädig“ (vgl. Drosdowski, Günther 1974: 123)

Jürgen als niederdeutsche Form zu Georg kommt von Griechisch γεοργος ’Landmann, Bauer’. Der heilige Georg erlitt zu Beginn des 4. Jahrhunderts den Martertod. Daher war der Name im christlichen Abendland sehr beliebt (vgl. Drosdowski, Günther 1974: 90).

Laura kommt aus dem Italienischen und ist eine Kurz- oder Koseform zu Lateinisch Laurentia, die weiblich Form zu Laurentius, d.h. es ist der aus der Stadt Laurentum kommende. Der Ort liegt in Latium, der Region rund um Rom (vgl. Drosdowski, Günther 1974: 136).

Paula und Paulus sind lateinischen Ursprungs und kommen vom Adjektiv paulus, -a, -um ’klein ’ (vgl. Drosdowski, Günther 1974: 167).

Quellen:

Drosdowski, Günther 1974: DUDEN. Lexikon der Vornamen. 2., neu bearbeitete und erweiterte Auslage.

Duden 2000: Familiennamen Herkunft und Bedeutung. Mannheim Leipzig Wien Zürich

Janowowa, Wanda et al. 1991: Słownik imion. Wrocław Warszawa Kraków

Türkische Namen und ihre Bedeutung

Auf Grund der jahrzehntelangen Zu- und Einwanderungen nach Deutschland haben wir auch viele uns Biodeutschen fremd klingende Namen, aber auch sie haben meist eine Bedeutung.

Personen mit einem türkischen Migrationshintergrund kann man immer wieder überraschen und erfreuen, wenn man ihre Familiennamen in Deutsche übersetzt. Im früheren Osmanischen Reich war man der Sohn von Mehmet, Mustafa, Ali usw.

Nach der Gründung der Republik Türkei im Jahre 1923 durch Mustafa Kemal Pascha, genannt Atatürk (Vater der Türken), ging man daran, das Land zu modernisieren, z.B. Übernahme europäischer Gesetzesbücher und die Einführung des lateinischen Alphabets anstelle des arabischen. Zum Modernisierungsprogramm gehörte auch die Annahme von Namen für die Familie. Jeder hatte die Wahl, sich einen schönen Namen auszusuchen. Sie gewinnen sofort große Sympathien bei türkischen Gesprächspartnern, wenn Sie die Bedeutung seines Namens kennen.

Türkische Familiennamen
Hier einige anschauliche Beispiele: Arslan ‚Löwe’, Ateş ‚Feuer’, Bulut ‚Wolke’, Çelik ‚Stahl’, Cengiz ‚Dschingis Khan’, Çiçek ‚Blume, Çiftçi ‚Bauer’, Demir ‚Eisen, Demirel ‚Eiserner Hand’, Deniz ‚Meer’, Doğan ‚Falke’, Gül ‚Rose’, Güneş ‚Sonne’, Kaplan ‚Tiger’, Kahramanoğlu ‚Sohn des Helden’, Karakaş ’Schwarze Augenbraue’, Korkmaz ‚der Furchtlose’, Güven ‚Vertrauen, Mutlu ‚glücklich’ und Ünal ‚werde berühmt’.

Türkische Vornamen
Ähnlich ist mit den schönen türkischen Vornamen. Da diese bereits vorher existierten und die Osmane den moslemischen Glauben annahmen, haben viele türkischen Vornamen einen alttürkischen oder einen arabischen oder persischen Kultur- und Sprachintergrund oder auch hebräische Namen aus dem Koran, denn Teile der Bibel sind von Mohammed als „Gottes Wort“ „übernommen“ worden. (In Klammern steht jeweils die Sprache: ara für Arabisch, tür für Türkisch und per für Persisch.)

Männliche Vornamen
Abbas (ara)‚ ein Onkel des Propheten Mohammed, Adil (ara) ‚der Gerechte’, Bülent (persisch/indisch) ‚der Große, stark, erhaben, mächtig’, Cem (ara) ‚Zusammenkunft, Devrim (tür) ‚Revolution’, Erdem (tür) ‚Tugend’, Erkan (tür)‚ das heldenhafte Blut’, Fatih (ara) ‚Eroberer’, Hasan (ara) ‚der sehr Gute und Schöne (Name des Enkels des Propheten), Ibrahim (hebräisch) ‚Abraham’, Kemal (ara) ‚der Vollkommene’, Mehmet (ara) ‚türkische Form von Mohammed’, Murat (ara) ‚der Erwünschte’, Mustafa (ara) ‚der Auserwählte’, Orhan (tür)‚ der Stadtverwalter’, Serdar (per / Kurdisch)‚ ‚der Befehlshaber, der Kommandant’ und Ufuk (ara) ‚Horizont’.

Weibliche Vornamen
Arzu (ara)‚ Wunsch’, Ayşe (ara) ‚die Lebhafte’ vom Verb شاء (ascha) ‚leben’, Birgül (tür / per) ‚eine Rose’, Cemile (ara)‚ die Schöne’, Cennet (ara)‚ Paradies’, Çiçek ‚Blume’, Didem (türk) ‚Auge’, Fatma (ara) ‚Die, die sich entwöhnt’, İnci (tür) ‚die Perle’, Leyla (ara) ‚die Nacht’, Nesrin (per) ‚eine Wildrose’, Nurhan (tür / ara)‚ die schöne Herrscherin’, Selma (ara)‚ Harmonie, Frieden’, Sevda (ara) ‚Liebe, Sehnsucht’, Şirin (per) ‚süß, hübsch, niedlich’ und Yıldız (tür) ‚Stern’.

Polnische Familiennamen

Auf Grund der rund 150 Jahre Aufteilung Polens unter seinen Nachbarstaaten Preußen bzw. Deutsches Reich, Russland und Habsburger Reich waren bis 1918 viele Polen deutsche Staatsbürger. Im Rahmen der Industrialisierung und der Landflucht von Ost nach West kamen viele ethnisch polnische Menschen nach Berlin und besonders in den Kohlbergbau ins Ruhrgebiet. Daher finden wir viele polnische Familiennamen in Deutschland. Hier einige Beispiele:

Kowalski / Kowalczyk

Der Name ist eine Berufsbezeichnung. Es kommt von koval ‚Schmied’ (vgl. im Deutsch Schmidt). Kowalski ist zweithäufigste Familienname in Polen.

Kaminsky / Kaminski

Der Name kommt von kamień ‚Stein’, also jemand, der an einem auffälligen Stein wohnt.

Nowak

Das ist der Neuling oder der Neumann, denn nowy ist urverwandt mit neu und Lateinisch novus. Nowak ist der häufigste Familienname in Polen.

Wojcik

Der Name kommt von wójt ‚Dorfschulze, Dorfvogt’.

Quelle:

Kohlheim, Rosa und Volker 2000: Duden. Familienamen. Herkunft und Bedeutung. Mannheim Leipzig Wien Zürich.,